offgehaltn

„’sch wurde offgehaltn!“, sagte er schnaufender Stimme in den Meetingraum hinein, in dem schon alle Platz genommen hatten, einige ihren ersten Kaffee geleert und andere ihn mit mieser Miene anstarrten – nicht, weil er zu spät kam, sondern weil sie sich in ungemütlichster Position zu ihm umdrehen mussten und das nicht gemusst hätten, würde er schon an seinem Platz sitzen und eben nicht – wie bereits erwähnt worden ist – zu spät den Raum betreten haben und somit die Harmonie der Ablaufplanung des Meetings durch Chaos erumpiert, wie es nun letztendlich auch zu Ungunsten der beteiligten Meetingteilnehmer eingetreten ist.
Es war schon die fünfte Präsentationsfolie geöffnet – die mit den sich elliptisch über Kreuz bewegenden Punkten.
„’sch wurd’s offgehalt’n. Sorrie. – Ah! De‘ Bungde, wo die die Gonnsetradsioun hebn duhn! Bin’sch dorni spähde.“ entglitt seinem Mundwerk beim raschelnden Regenjacke ausziehen, über den Stuhl legen und Rucksack nach unten poltern lassen.
„Ich konzentriere gleich meine Bleistiftspitze auf deine Augen!“ rief die belesene Meeting-Moderatorin mit guter Laune und freundlich aufgesetztem Lächeln ihm zu.
„Ja, sorrie, Mensch! ’sch wollde nur ’n Fodo meinor Froindin schiggn, orber die ham mein Indernedd offgehaltn, weesde? Da schdand wou eenor offdor Leidung und hats offgehaldn. Nu, schbädor, halb Neune, hamses wiedor ongemacht.
Ham’se wohl’n Anhaldor rangehould.“

Knutzschewutschis guggn weidwesch

„Schalze ma umm?“ hatts unser Knutschiwutschi ma gefragorert. Haz ma rumfragt so inne Runde offm Sofa, ne. „Nö.“ haz droff unsre Knutschiputschi andwortet, ohne Mime, eifach so, du. Haste ni dran dacht, du. Hettsde ni glopt, du! Aber hatse macht, nor. „Orr. Warumdni? Schalzor ma büdde büdde büdde uäämm!“ „Nöää, nöä, nöööh!“ hatze bissl rummezickert. So mit grinsn. (Weise Knutschiwutschi liep hat, gaaaanz dolle, du.) Hatse so bissi grinsert, weeste. Haze macht, weesde bscheidt, nor. Weiterlesen

Heiliger Klabautermann

Da! Der Tag der Nacht der Fleischwerdung Gottes.
Die Engelschöre zupfen ihr Geharf,
Teufelskinder umwirbeln den Hof.
Zähnefletschend kreischen die Bastarde. Sie sabbern Blut, es tropft seimig von ihren spitzen Zähnen.
„Ritalin! Ritalin!“ Ruft die werdende Mutter Maria. „Ich brauche Ritalin, ich sehe Gespenster. Huh huh!“
Da kommt Schwester Maria (heißt auch so, voll verwirrend jetze) – und verabreicht alternativ lieber Tavor intravenös. Weiterlesen

Die Haltestelle

Gerne der Zeiten gedenk‘ ich, da alle Glieder gelenkig – bis auf eins.
Doch die Zeiten sind vorüber, steif geworden alle Glieder – bis auf eins.
Johann Wolfgang von Goethe

Ich hatte wieder großes vor. Heute sollte es zum Einkaufen gehen. Endlich an die frische Brise bräsiger Stadtluft. Endlich weg aus meiner muffigen Wohnung sozialattitüdenhafter Raumgestaltungstechniker und weg von dem Fraß auf frisch gewaschenen Tellern, die man immer mit kleinen Fit-Schaum-Bläschen verziert, damit wir wissen, die seien frisch gewaschen. Ich liebe die frische Luft, denn meine tote Frau schwebt darin. Das wichtigste ist die Luft mit meiner Frau darin – und die muss frisch sein. Ohne frische Luft vergeht einem nur die Lust auf.
Ich wollte endlich mal wieder hinaus an die frische Luft. Zu meiner Frau – und zog mir meine Jacke an. Ich wollte einkaufen gehen. Nichts ist schöner, als einkaufen zu gehen. Das muss man in aller Ruhe machen. Ich habe viel Ruhe. Ich habe alle Zeit der Welt. Seitdem meine Frau tot ist, habe ich ganz viel Zeit. Weiterlesen

Glopfnoggl

Rimmedi rippgnopfglockl. Aschmucktebrimm flugotznogglidaaarrrrrrpf. „Schuggliduggl bamm brupftzschokke!“ Ischnewudd dol brisse ambrutzilu. „Ölaaahm schloddtzfrigattle lülülölälassdepfutt. Himmensdededede lo brratschhgedommbissdaddudede lö fittigambutschkraddkedol a lol la huuurrrr. Hurrrzz! Hurrrz!“ ambrutzilurrtetz.
Weslbegge beldegge Wolldecke mitziwiwiwiwullbregsch nad brupf. Rimmedi kritznkritzn pfalgrutzbackknuddl wack wock wuck schnäääärrrrz. „Oh weh!“ Wolldecke brisse ambrutzilu. „Ambrutzilustatetz pemm pemm?“ ürkneckkneck flopatsch knöppe knöpftzu. Leila lölälopfegnöck tzweschgneckorrm orrrm ut kniffte li „leckooo stzschnackopfaffzsch“ ambrutzilurrtetz. Wilocktebrummbel wo schöck kna Wolldecke brammmzupfaggeschnöllldz blo früpüpüpüpühhhz. „Zunhaipt!“ Ischnewudd nissodolö ambrutzilu fum knatschkepumm. Pumm pumm palllpummtzeknuppp. „Lölipöli“ fad zeilepfiffi schnad krobbleckarrböhm ambrutzilu. Lübbe lübbte lad knoffischadt Wolldecke gribblotzschnadtzumbi lö glopfnoggl. HüHott hä hütt hopp tznellkorrzwie Back! Zwie Back!

Neneneneneeeee.

Figurenspass

Soo, liebeLeserin. Soo, lieber Leser.
Was haben wir denn hier in meinem kleinen Mikro-Notizbuch? Mich stört ja, dass es kariert ist. Aber es ist wahnsinnig schön klein. Das nächste mal aber bitte mit weißem, unbedrucktem Papier,ja?

Nun, hier haben wir eine Frau. So eine sehr einsame Frau, die ihre schwarze Jeanshose aus dem neunzehnhundertachtundneunziger Sommerschlussverkauf des großen Kaufhauses an hat und wie es sich für ihre sechsundfünfzig Jahre gehört, bis über den Bauchnabel gezogen und ihre beige, fast weiße Leinen-Bluse mit blumigem Stickmuster akkurat in den Hosenbund reingestopft hat. Dazu ein edler Synthetik-Ledergürtel mit goldfarben ummantelter Pressaluminium-Gürtelschnalle. Man sieht, dass sie einen birnenförmigen Arsch hat. Vermutlich entsteht aber nur der Eindruck dessen, aufgrund dieser edlen Jeanshose.
Sie ist modern – Top-Modern. Ihr Mobiltelefon ragt aus ihrer Blusen-Brusttasche. Glücklicherweise hat sie ungestützte hängende Brüste, sodass die Blusenbrusttasche und das Mobiltelefon problemlos am Körper anliegen können, ohne Schräglage zu bekommen. Das wäre echt peinlich.
Das Mobiltelefon wurde stilvoll Weiterlesen