Heiliger Klabautermann

Da! Der Tag der Nacht der Fleischwerdung Gottes.
Die Engelschöre zupfen ihr Geharf,
Teufelskinder umwirbeln den Hof.
Zähnefletschend kreischen die Bastarde. Sie sabbern Blut, es tropft seimig von ihren spitzen Zähnen.
„Ritalin! Ritalin!“ Ruft die werdende Mutter Maria. „Ich brauche Ritalin, ich sehe Gespenster. Huh huh!“
Da kommt Schwester Maria (heißt auch so, voll verwirrend jetze) – und verabreicht alternativ lieber Tavor intravenös. Weiterlesen

Die Haltestelle

Gerne der Zeiten gedenk‘ ich, da alle Glieder gelenkig – bis auf eins.
Doch die Zeiten sind vorüber, steif geworden alle Glieder – bis auf eins.
Johann Wolfgang von Goethe

Ich hatte wieder großes vor. Heute sollte es zum Einkaufen gehen. Endlich an die frische Brise bräsiger Stadtluft. Endlich weg aus meiner muffigen Wohnung sozialattitüdenhafter Raumgestaltungstechniker und weg von dem Fraß auf frisch gewaschenen Tellern, die man immer mit kleinen Fit-Schaum-Bläschen verziert, damit wir wissen, die seien frisch gewaschen. Ich liebe die frische Luft, denn meine tote Frau schwebt darin. Das wichtigste ist die Luft mit meiner Frau darin – und die muss frisch sein. Ohne frische Luft vergeht einem nur die Lust auf.
Ich wollte endlich mal wieder hinaus an die frische Luft. Zu meiner Frau – und zog mir meine Jacke an. Ich wollte einkaufen gehen. Nichts ist schöner, als einkaufen zu gehen. Das muss man in aller Ruhe machen. Ich habe viel Ruhe. Ich habe alle Zeit der Welt. Seitdem meine Frau tot ist, habe ich ganz viel Zeit. Weiterlesen